Wer durch Slowenien reist, entdeckt die unglaubliche Vielfalt an Landschaften, die dieses kleine Land zu bieten hat: Von den Hochgebirgszügen der Alpen über das sanfte Hügelland im „Mittelteil“ bis hin zur lediglich 46,6 Kilometer langen Küste an der Adria. Eben an dieser Küste befindet sich mit Koper auch Sloweniens Tor zu Welt: Kräne, Containerschiffe und ISO-Container prägen das Bild des Hafens, der nicht nur einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region, sondern auch ein bedeutender Logistik-Hub und eine treibende Kraft für wichtige Infrastrukturprojekte ist. An einem davon wird derzeit unter Hochdruck gearbeitet: Die zweite Schienenverbindung an den Hafen bietet dabei spannende Einblicke in die Vergangenheit und den Untergrund des Landes...
60 % Wald und 500 Braunbären
Die parlamentarische Republik Slowenien ist mit 20.273 km² das viertkleinste Land der EU. Der grüne Staat grenzt geographisch nicht nur an den zentraleuropäischen Alpenraum, sondern auch an die Balkanhalbinsel. Er teilt eine 670 Kilometer lange Landesgrenze mit Kroatien, 330 Kilometer mit Österreich, 218 Kilometer mit Italien und 102 Kilometer mit Ungarn.
Der Erhalt der Fauna-, Flora- und Habitatvielfalt ist für das Land Herzenssache. So stehen ganze 13 % des Staatsgebietes unter Schutz und zahlreiche Naturwunder locken jährlich viele Tourist:innen an. Mehr als 60 % des Landes sind mit Wald bedeckt. Kaum zu glauben, aber wahr: In den slowenischen Wäldern leben rund 500 Braunbären.
Schnittpunkt zwischen Zentral- und Südosteuropa
Aufgrund seiner geostrategischen Lage zwischen Mittel- und Südosteuropa kreuzen sich in Slowenien einige wichtige Transportrouten. Eingebettet zwischen Mittelmeer, Alpen, Dinarischem Gebirge und der Pannonischen Tiefebene sowie an einigen wichtigen Flüssen, wurden die Hauptverkehrswege in der Region bereits in der Antike festgelegt. Auch der Verlauf der zwei paneuropäischen Verkehrskorridore V (von der Nordadria nach Mittel- und Osteuropa) und X (die Verbindung von Mitteleuropa an den Balkan) verleiht dem Land wirtschaftlich, sozial und kulturell eine besondere Bedeutung in Europa und der EU. Beide Korridore kreuzen sich in der Hauptstadt Ljubljana. Slowenien weiß diesen Vorteil – am Schnittpunkt von Kulturen und Wirtschaftsräumen gelegen – effektiv zu nutzen.
Von „Brüderlichkeit und Einheit“ bis zum „Korridor V“
Heute verfügt Slowenien über 400 Kilometer moderne Autobahnen. Mit 80 % macht der Straßengüter- und Personenverkehr den größten Teil des Transports in Slowenien aus. Die erste Autobahn wurde bereits 1958 von der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien unter dem Motto „Brüderlichkeit und Einheit“ errichtet. So verlief eine Teilstrecke der „Autoput“ Laibach-Zagreb-Belgrad-Skopje durch das heutige Slowenien. In den 1990er Jahren wurde der Ausbau bzw. die Modernisierung des Autobahnnetzes vorangetrieben. Bis Anfang 2012 wurde ein 528 Kilometer langes Netz an Autobahnen und unterschiedlichen Schnellstraßen errichtet. Die längste Autobahn verbindet Maribor mit Ljubljana und der Hafenstadt Koper an der Adriaküste.
Von der gefährlichsten zur bedeutendsten Straßenverbindung
Die Autoput, die während der „jugoslawischen Zerfallskriege“ Anfang der 1990er Jahr als gefährlichste Straße Europas galt, ist inzwischen als paneuropäischer Verkehrskorridor X wieder eine der wichtigsten europäischen Hauptverkehrsachsen. Sie verbindet Griechenland – beispielsweise die wichtigen Häfen Piräus und Thessaloniki – mit den Industrie- und Produktionszentren in Zentral- und Westeuropa. Insgesamt verläuft die Transitstrecke 1.188 km von Österreich über den Balkan bis nach Griechenland, Bulgarien und die Türkei – mit Slowenien „mittendrin“.
Koper – Tor zur Adria, Tor zur Welt
Die 46,6 Kilometer lange Adria-Küste Sloweniens hat es in sich. Sie ist nicht nur äußerst charmant, sondern verfügt auch über drei Häfen in Koper, Izola und Piran, wobei erstgenannter der weitaus wichtigste Hafen ist. Er wurde erst 1957 errichtet und steht seitdem in Konkurrenz zum nicht weit entfernten Hafen von Triest (die italienische Grenze ist in der Tat nur „ein paar Steinwürfe“ entfernt). Puncto Containerumschlag ist der Hafen der größte der nördlichen Adria. Der geografische Vorteil liegt auf der Hand: Koper ist 2.000 Seemeilen näher an Zielen östlich des Suez als die „klassischen“ Häfen in Nordeuropa. Der Landtransport auf der Straße und auf der Schiene nach Mitteleuropa ist ebenfalls gut 500 Kilometer kürzer.
Der Hafen wächst schnell. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 bewegte man dort mehr als 17 Millionen Tonnen Fracht und knapp 590.000 TEU. 2018 wurden bereits rekordverdächtige 24 Millionen Tonnen Fracht und 988.000 TEU umgeschlagen. Heute liegt der Schwerpunkt auf dem Containergeschäft: Die Millionenmarke wurde 2022 überschritten, und bis 2025 kletterte das Volumen auf den historischen Höchststand von 1.272.161 TEU.
Ausbau auf allen Ebenen
Doch die Pläne gehen sogar noch weiter: Koper soll der wichtigste Umschlagplatz und Anbieter von globalen Logistiklösungen für die Länder Mittel- und Osteuropas werden. Dies erfordert schnelle, moderne und effiziente Verkehrsverbindungen. Folglich hat für den Standort wie auch für die Regierung nicht nur der Ausbau der Hafenanlagen Priorität, sondern auch die Modernisierung des gesamten Schienennetzes. Hierbei steht vor allem die Fertigstellung der entscheidenden zweiten Bahnverbindung zwischen Koper und Divača an oberster Stelle. Das passenderweise „Drugi Tir“ (zweites Gleis) genannte Projekt wird die Verbindungsstrecke von 44,3 Kilometern auf nur 27,1 Kilometer verkürzen und auf diesem Abschnitt eine Zeitersparnis von beachtlichen 80 Minuten ermöglichen.
Slowenien hat für den Bau dieser neuen Bahnstrecke EU-Fördermittel in Höhe von rund 250 Millionen Euro erhalten. Weitere 200 Millionen Euro stammen von der slowenischen Regierung, und noch einmal 300 Millionen Euro werden durch Darlehen der Europäischen Investitionsbank bereitgestellt. Ursprünglich war die Fertigstellung der Strecke für das Jahr 2025 geplant. Das sind hohe Kosten für eine kurze Strecke – geschuldet ist dies der landschaftlich herausfordernden Trassenführung in Richtung Küste.
Herausforderndes Gelände und geheimnisvoller Untergrund
Das Bahnprojekt „Drugi Tir“ ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Umweltauflagen, Topographie, Karstphänomene wie Höhlen und unterirdische Wasserläufe sowie die Überwindung eines Höhenunterschieds von 400 Metern stellen große Herausforderungen dar. Kein Wunder also, dass die neue Strecke sieben Tunnel – darunter den längsten Eisenbahntunnel Sloweniens – sowie drei Viadukte durch das Karstgebiet zwischen Divača und Koper umfasst. Die Gesamtlänge der Tunnel beträgt 20,5 Kilometer, was etwa 75 % der gesamten Strecke ausmacht.
Doch diese Tunnel sind nicht die einzigen Hohlräume entlang der „Drugi Tir“-Trasse. Wie von Höhlenforscher:innen vorhergesagt, wurden während der Bauarbeiten viele neue Höhlen entdeckt. Die tiefste misst 168 Meter, die längste erstreckt sich über 702 Meter. Die Gesamtlänge der 99 neu entdeckten Höhlen beläuft sich auf 6,6 Kilometer – fast so viel wie die Länge des längsten Tunnels auf der Strecke. Ohne das Projekt wären die meisten von ihnen wohl unentdeckt geblieben.
Apropos unentdeckte Geheimnisse: Angesichts der reichen Geschichte der Region überrascht es nicht, dass die Bautrupps auf bemerkenswerte historische Funde stießen. Diese reichen von der Altsteinzeit bis in die Römerzeit. Unter anderem legte man eine Römerstraße und Villen frei und entdeckte die Überreste eines Wollnashorns sowie einen alten ägyptischen Skarabäus-Anhänger. Dieser ist vermutlich durch antiken Handel dorthin gelangt. Welch passender Zufall…
Entscheidend für den Erfolg von Koper
Das Projekt „Zweites Gleis Divača–Koper“ tritt in die letzte Umsetzungsphase und soll 2026 oder Anfang 2027 in Betrieb gehen. Derzeit laufen die abschließenden elektromechanischen Arbeiten, nachdem im März 2026 ein erster Zug die Strecke erfolgreich getestet hat. Nach Fertigstellung wird die Kapazität der neuen Strecke 120 Züge pro Tag bzw. 25,7 Millionen Tonnen pro Jahr betragen; die Gesamtkapazität beider Strecken (der bestehenden und des zweiten Gleises) wird bei 212 Zügen pro Tag bzw. 36,9 Millionen Tonnen pro Jahr liegen. Zudem verkürzt sich die Fahrzeit von Divača nach Koper von 110 Minuten auf maximal 30 Minuten – ein weiterer entscheidender Faktor für den Erfolg und die ehrgeizigen Zukunftspläne des Hafens.
Die Aktiengesellschaft Luka Koper d.d., Betreiberin des Hafens, plant, die jährliche Umschlagkapazität des Hafens bis 2030 auf 40 Millionen Tonnen und die des Containerterminals auf 2,2 Millionen TEU zu steigern.
Neben der verbesserten Bahnkapazität stellt die Wassertiefe eine weitere Herausforderung für die Hafenentwicklung dar. Die Wassertiefe beträgt hier lediglich 7 bis 18 Meter, sodass nur Schiffe mit einer Kapazität von unter 180.000 Tonnen einlaufen können. Derzeit könnten die größten Containerschiffe hier gar nicht anlegen, da der Hafen nur für Schiffe mit einem maximalen Fassungsvermögen von 15.200 TEU ausgelegt ist.
Flughafen Ljubljana: kleiner, aber feiner Hub für SEE
Ergänzend zu diesen ausgebauten See- und Schienenverbindungen verfügt Slowenien auch über einen äußerst flexiblen Luftfrachtsektor. Obwohl der Flughafen Ljubljana im Vergleich zu seinen Mitbewerbern in der Region nicht zu den größten zählt, gilt die hundertprozentige Fraport-Tochtergesellschaft als effizient und flexibel. Sie bietet eine angemessene Luftfrachtinfrastruktur mit modernen Lagerhallen in unmittelbarer Nähe [Promo-URL Brnik]. Auch hier beweist Slowenien seine Stärken im kleineren Maßstab: Das gut ausgebaute Straßennetz und die Nähe zum Hafen von Koper machen sich bezahlt, und das wachsende Schienennetz wird dieses Potenzial künftig weiter steigern.
30 Jahre cargo-partner in Slowenien
cargo-partner in Slowenien feiert sein 30-jähriges Betriebsjubiläum. Gegründet im Jahr 1996 mit einem kleinen Büro am Flughafen Ljubljana, folgte 2002 ein Standort am Hafen Koper. Mittlerweile hat sich das Unternehmen zu einem der führenden Logistikanbieter Sloweniens und einer tragenden Säule im CEE-Netzwerk von cargo-partner entwickelt.
Heute beschäftigt cargo-partner in Slowenien mehr als 150 Mitarbeitende und bietet umfassende Services in den Bereichen Luftfracht, Seefracht, Straßentransport, Zollabwicklung und Kontraktlogistik. Das operative Geschäft umfasst fast 50.000 m² Lagerkapazität mit strategischen Standorten in Ljubljana, Brnik und Logatec.