Alles paletti!

Die Palette – die unscheinbare Heldin der Transportindustrie

Jeder kennt sie, auch wenn man sie in der Regel keines zweiten Blickes würdigt. Die simplen Plattenformen, mit denen Waren transportiert und in Lagerhäusern gestapelt werden, kommen in der Regel über das Image eines Holzpflocks nicht hinaus. Überraschenderweise lohnt sich genaueres Hinsehen trotzdem. Und das nicht erst, seit sie als hippe Upcycling-Objekte Community Spaces, Wohnzimmer und Kunstgalerien erobern. Doch wie entwickelte sich diese unscheinbare „Heldin des Alltags“ und was hält die digitale Zukunft von Paletten bereit? Kleiner Vorgeschmack: moderne Paletten überzeugen mit Trackern, melden sich regelmäßig und sind richtig "smart".

Nun gut – die Geschichte der Palette reicht nicht bis ins alte Ägypten. Trotzdem sei angemerkt, dass es für die Verwendung von hölzernen Schlitten und Kufen bereits Hinweise aus dem ersten Jahrtausend vor Christus gibt. Diese wurden zum Transport von tonnenschweren Baumaterialien über den heißen Wüstensand verwendet, beispielsweise beim Bau von Monumenten wie den Pyramiden.

In den folgenden Jahrhunderten experimentierten die Menschen unablässig mit unterschiedlichen Transport- und Aufbewahrungsmöglichkeiten für Waren – von Boxen und Fässern bis hin zu Kisten und Säcken. So richtig effizient wurde es aber dann doch erst mit der Einführung erster normierter Transportbehälter (beispielsweise den Vorgängern von Containern) und der Erfindung des Gabelstaplers Anfang des 20. Jahrhunderts, der eine echte Revolution von Warenverkehr und Lagerungssystemen auslöste.

1920 patentierte das amerikanische Unternehmen Clark Equipment Company den ersten Gabelstapler. Um das große Potenzial dieser neuen Maschine optimal nutzen zu können, benötigte es jedoch einer weiteren logistischen Neuerung. 1924 reichte Howard T. Hallowell unter dem Namen „Lift Truck Platform“ ein erstes Palettenpatent ein, andere folgten bis in den 1930er Jahren, sodass sich die Transportpalette langsam ihrer heutigen Form annäherte.

Pallet wars – die Palette zieht in den Krieg

Schlussendlich war es jedoch das tragische Geschehen des 2. Weltkrieges, das den Erfolg von Transportpaletten (und Gabelstaplern) in der Welt zementierte. Mit Ausbruch des Krieges wurde schnell klar, dass der rasche Transport und die effiziente Lagerung von Waren, Verpflegung und Waffen eine entscheidende Rolle spielen. So investierten vor allem die USA und ihre Verbündeten in logistische Neuerungen. Der Gabelstapler befand sich dabei im Herzen der militärischen Logistikstrategie. Binnen kurzer Zeit wurden standardisierte Palettengrößen für alle alliierten Verbündeten eingeführt, um die Verfrachtung und den Transport von Waren über Landesgrenzen hinweg weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen.

1945 patentierte Robert Braun die erste Vier-Wege-Palette – eine hölzerne Flachpalette, die von allen vier Seiten mit automatisierten Fördergeräten wie Gabelstapler oder Hubwagen einfach aufgenommen und befördert werden konnte. Der Aufschwung von Massenproduktionen und steigendem internationalen Warenaustausch trieb die Nachfrage nach billigen, effizienten Transportpaletten binnen kürzester Zeit in die Höhe. Das System hatte seine Nützlichkeit bewiesen und hatte sich somit endgültig breitenwirksam durchgesetzt.

Endlich – die Europalette!

Letztendlich wurde aber erst in den 1960ern in Europa ein standardisierter Qualitäts- und Größenstandard etabliert, der bis heute hält. Angetrieben von europäischen Eisenbahnen, die im ständigen Konkurrenzkampf mit dem Lastkraftwagentransport nach effizienteren und schnelleren Lade- und Transportmöglichkeiten suchten, wurde am 1. Juli 1961 der erste Vertrag über die Verwendung von standardisierten Paletten unterzeichnet. Heute kennt man diese europäisch standardisierte Palette unter dem Namen „Europapalette“, oder oft umgangssprachlich gekürzt „Europalette“. Das originale Design der Europalette wurde auf 1200 x 800 x 144 mm normiert und muss vertraglich aus 11 Brettern, 9 Klötzen und exakt 78 speziellen Nägeln bestehen. Auch nur ein Nagel mehr, und es ist keine Europalette mehr! Denn diese Qualitäts- und Größenstandards werden streng überprüft – 1991 wurde zu diesem Zweck die European Pallet Association ("EPAL") gegründet, die noch heute für die Vergabe von Lizenzen für Produzenten und Reparateure sowie für die Qualitätskontrolle der Europaletten zuständig ist.

Dass die Maße der Europalette für die optimale Raumausnutzung im Transportwesen konzipiert sind, liegt auf der Hand: denn die meisten Sattelzüge, Wechselbrücken und übrigen Transportmöglichkeiten bieten 2,40 Meter nutzbare Ladebreite. Das heißt, dass genau zwei Europaletten quer oder drei der Länge nach in den Transportfahrzeugen welcher Art auch immer Platz finden und somit Güter effizient und platzoptimiert verladen werden können. So einfach und dennoch so smart!

Tauschen statt kaufen

Doch noch ein weiteres Merkmal der Europalette zementierte ihren Erfolg in Europa: der Palettentausch. Der Tausch der Europaletten ist zwar (noch) nicht in allen europäischen Mitgliedsländern möglich, doch genießt er in Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Deutschland hohe Akzeptanz. Die „Tauschfähigkeit“ der Europaletten bedeutet, dass die Güter inklusive Transportpalette übergeben und die Paletten „getauscht“ werden. In Nicht-Mitgliedsländern müssen sie abgegolten werden. Dies hat den Vorteil, dass leere Paletten nicht hin und her transportiert und die Güter nicht umständlich an anderer Stelle gelagert werden müssen. Das einfache Abladen, Stapeln und Lagern der gesamten Paletten spart erneut wertvolle Zeit und Kosten, da sich Ladezeiten im Vergleich zu „vor-Paletten-Zeiten“ bis zu 90% verringert haben.

Der Klassiker: die Holzpalette

Doch auch mit den Materialien, aus denen Paletten hergestellt werden, wurde experimentiert. Die „klassische“ Transportpalette ist natürlich aus Holz. Darüber hinaus sind Kunststoffe und Metalle nicht mehr unüblich. Die schlichte Holzpalette allerdings hat einen erheblichen Vorteil, der heute wichtiger ist denn je: sie ist umweltfreundlich.

Holz bietet nicht nur ein umweltschonendes, robustes und belastbares natürliches Material. Mit einem Eigengewicht von nur 20-25 Kilogramm, konstruiert aus Hitze-sterilisiertem Holz und ein paar Nägeln und mit einer Tragfähigkeit von 1.500 Kilogramm, übersteht sie souverän den Härtetest, von einem 4-Tonnen-Gabelstapler unbeschadet überfahren zu werden.

Außerdem sind Holzpaletten ideal für nachhaltigen Nutzen ausgelegt – ihre durchschnittliche Lebensdauer beträgt sechs Jahre. Die in Europa hergestellten EPAL-Paletten sind außerdem aus Hölzern aus nachhaltigen Wäldern und werden fast gänzlich aus recyceltem Material hergestellt, also aus ungeliebten „Abfallresten“ anderer Holzindustrien, die ansonsten entsorgt würden. Vergleichsweise benötigt die Herstellung einer Kunststoffpalette im Durchschnitt achtmal so viel Rohmaterialien und fünfmal so viel Energie. Aufgrund dieser ökonomischen und ökologischen Vorteile ist es also keine große Überraschung, dass über 90% aller Transportpaletten heute nach wie vor aus Holz gefertigt werden.

Strahlende Zukunft

Es ist schwierig zu kalkulieren, wie viele Paletten heute weltweit im Umlauf sind. Die European Pallet Association schätzt, dass ungefähr 350-500 Millionen ihrer EPAL-lizensierter Paletten im Einsatz sind, zusätzlich zu einer weltweit immensen Anzahl von verschiedenen Exemplaren zahlreicher anderer Hersteller. Somit ist sicher, die Palette ist aus heutiger und zukünftiger Sicht nicht mehr wegzudenken. Keine Fabrik, kein Geschäft, kein Supermarkt, die ohne eine auskommen würden. Was letztlich auch zeigt, dass es oft die wirklich simplen Dinge sind, die enormen Nutzen und weltweiten Erfolg bringen können.

Nächste Generation: Vernetzt und smart

Seit einigen Jahren bemühen sich Forschungseinrichtungen, oft in Kooperation mit entsprechenden Dienstleistungsanbietern, die Palette zu einem „intelligenten“ Tool zu wandeln. QR-Codes, Schnittstellen und vielseitige Tracker werden bei diesen vielversprechenden Initiativen auf ihren Praxiseinsatz getestet. Die Überlegungen sind simpel: Verlust und Verzögerung sind zwei der größten Herausforderungen der Logistik. Diebstähle kosten Unternehmen jedes Jahr viel Geld und sind ein ärgerliches Übel. Zudem können wegen fehlender oder falscher Informationen manche Lieferungen nicht rechtzeitig ihr Ziel erreichen. Intelligent vernetzte Paletten sollen hierbei weiterhelfen und den Gütertransport über Wasser, Schiene und Straße noch gezielter steuerbar machen. Egal ob man die Position bestimmen will, Schockeinwirkungen oder Temperaturverlauf abruft – wasserfeste Sensoren werden ins Innere der Palette (meisten in einen der „Füße“) eingebaut und registrieren auf Wunsch Stöße, Lage, Beschleunigungen und Temperatur der Palette. Die Palette meldet sich selbständig bei Abweichungen durch Erschütterungen oder Temperaturschwankungen – ähnlich gängigen Trackern in der Luft- und Seefracht. Dass diese Tracker selbstverständlich nur bei bestimmten, eher hochwertigeren Lieferungen zum Einsatz kommen, ist klar. Dennoch zeigt sich, dass die Palette – obwohl eigentlich ein unscheinbares, simples Werkzeug – längst auch in der digital vernetzten Logistik des 21. Jahrhunderts angekommen ist.

cargo-partner Kontraktlogistik

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Wir stellen spezialisierte Logistiklösungen und Lagereinrichtungen für die Anforderungen verschiedener Branchen zur Verfügung. Für die Lagerung von Lebensmitteln, verderblichen Waren sowie pharmazeutischen und medizinischen Produkte bieten wir an diversen Standorten gekühlte und temperaturgeführte Lagerhallen und Umschlagszentren an. Wir arbeiten gemäß dem HACCP-Konzept für Lebensmittelsicherheit und sind an einigen unserer weltweiten Standorte ISO-, GDP- und IFS-zertifiziert. Den Anforderungen von Hightech- und Elektronik-Waren kommen wir mit staubarmen, alarmgesicherten und videoüberwachten Lagerhallen und umfangreichen Sicherheitskonzepten entgegen.


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