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Londons Hafen: Von der Themse in die weite Welt

Ein Hafen für ein Empire

Der Londoner Hafen erstreckt sich entlang des Ufers der Themse zwischen London und der Nordsee. Einst war er der größte Hafen der Welt und logistisches Zentrum eines Weltreichs. Bereits unter den Römern, vor bald 2000 Jahren, war der Hafen von großer Bedeutung und wurde im Laufe des Aufstiegs des „Empires“ noch wichtiger. Mittlerweile haben sich die Hafenanlagen an der Themse stark verändert, was unter anderem auch mit den rasanten Entwicklungen in der Transportindustrie zu tun hat. Dennoch gehört die Hafenanlagen zu London wie der „Big Ben“ zum englischen Parlament und ist ein wichtiger  Teil der Identität der Stadt. Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte des Hafens, wie man die Flussschleifen zu Werften umfunktionierte und was ein legendärer Fußballverein damit zu tun hat.

Der Londoner Hafen liegt nicht an einem bestimmten Punkt, sondern breitete sich immer entlang der Themse aus. Dadurch erstreckt sich der Hafen von der Innenstadt Londons über viele Kilometer Richtung Nordsee. Die zahlreichen Anlegeplätze, Hafen- und Dockanlagen, sind von den Gezeiten beeinflusst und im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Wie bei vielen anderen historischen Häfen in Europa, beispielsweise dem Hafen Rotterdam oder Antwerpen wanderte der Großteil der Aktivitäten immer weiter stromabwärts in Richtung des Meeres. Der Grund liegt auf der Hand: die Schiffe wurden zunehmend größer und hatten zu viel Tiefgang, um überhaupt soweit flussaufwärts zu fahren. Zusätzlich rückten andere Bedürfnisse Londons in den Vordergrund weshalb sich die Hafenbereiche in der Nähe des Stadtzentrums nach und nach veränderten. Viele Stadtviertel haben sich heutzutage komplett gewandelt, sind aber vom Namen oder ihrer Geschichte untrennbar mit dem „maritimen Erbe“ Londons verbunden.

Bereits die Römer erkannten die vorteilhafte Lage

Die ersten Anzeichen für einen nennenswerten Güterumschlag, verzeichnen Historiker zwischen 50 n. Chr. und 270 n. Chr., als die Römer den ursprünglichen Hafen bauten und London zu ihrem Hauptsitz auserkoren. Die „Docks“ bestanden aus hölzernen Rahmen, die mit Erde aufgefüllt wurden und so die Ufer befestigten. Der Hafen wuchs schnell und gedieh im 2. und 3. Jahrhundert, wurde dann aber Anfang des 5. Jahrhunderts für einige Zeit aufgegeben, als die Handelsaktivitäten stark nachließen. Grund hierfür war der Niedergang des weströmischen Reiches und die damit verbundenen Turbulenzen in Europa. Interessantes Detail am Rande: bereits zuvor hatte sich ein anderer Hafen, etwas weiter östlich in Shadwell, etabliert. Eine Entwicklung, die sich in den darauffolgenden Jahrhunderten fortsetzen würde.  Dennoch zeigte sich, dass die Römer richtig lagen, denn der Hafen war bedeutend und hatte großen Anteil am Wachstum und Erfolg der Stadt bzw. des britischen Empires.

Rasantes Wachstum im Rahmen des Empires

Nach dem Rückzug des römischen Reiches entwickelte sich der Hafen London langsam, aber konstant weiter und blieb der wichtigste Handelsplatz. Als England im Laufe der Jahrhunderte zur Seefahrernation Nummer 1 und anschließend zur imperialen Großmacht aufstieg, zeigte sich das natürlich auch im beeindruckenden Wachstum des Hafens. Er galt als Tor zu Welt und Sinnbild eines entsprechenden Selbstbewusstseins.
Ende des 18. Jahrhunderts überlegte man, die Themse, die in mehreren Flussschlingen verlief, zu begradigen, indem man einen neuen Kanal durch die Halbinseln Rotherhithe, Isle of Dogs und Greenwich baute. Die drei großen Flussschleifen sollten dabei mit Schleusen als riesige Hafenbecken abgetrennt werden. Dieser Plan wurde nicht verwirklicht, aber man baute später immerhin einen kleineren Kanal, den City Canal, durch die Isle of Dogs.

Weitläufige „Docklands“ als Tor zur Welt

Im 19. Jahrhundert folgte eine ganze Reihe von Hafenbecken und zahlreiche Namen sind so manch einem London-Besucher nicht gänzlich unbekannt und spiegeln die Geschichte vom Aufstieg des Vereinigten Königreichs wider: die West India Docks (1802), die East India Docks (1803), die London Docks (1805), die St. Katharine Docks (1828), das Royal Victoria Dock (1855), das Milwall Dock (1868), das Royal Albert Dock (1880) und das Tilbury Dock (1886) – die Liste ließe sich noch beliebig weiter fortsetzen. Im 18. und 19. Jahrhundert war London dadurch der geschäftigste Hafen der Welt mit Ankerplätzen, die sich ohne Unterbrechung über 17,7 km am Flussufer entlang zogen, und über 1.500 Kräne be- und entluden 60.000 Schiffe pro Jahr.
Anfang des 20. Jahrhunderts zwangen der Konkurrenzdruck und Streiks die einzelnen Hafenbetreiber zur Fusion. Der Zusammenschluss führte zur Gründung der Port of London Authority (PLA) im Jahr 1908. In weiterer Folge wurden zahlreiche Modernisierungen vorgenommen, ein Tiefwasserkanal gegraben und das King George V Dock gebaut.

Schiffe brauchten Werften. Werften stifteten Identität.

Die Menge an Schiffen, die den Londoner Hafen frequentierten, führte auch zu einer dementsprechend großen Werftindustrie. 1864, als London als wichtiges Zentrum für Schiffbau galt und die meisten Schiffe Holzrümpfe und Segel besaßen, gab es allein 33 Trockendocks zur Schiffsreparatur. Doch die neuen Entwicklungen im modernen Schiffsbau führten in der Hauptstadt zu Platzproblemen und zwischenzeitig liefen andere (Hochsee-)Häfen London den Rang ab. Während der (Groß-)Schiffsbau mit der Schließung der Thames Ironworks and Shipbuilding and Engineering Co. Ltd. 1912 zu Ende ging (Bau des letzten große Kriegsschiffs, HMS Thunderer, im Jahr 1911), florierte die Schiffsreparatur weiterhin. Zusätzlich siedelten sich damals entlang der Hafenbecken viele Industriebetriebe an, von denen manche bis heute bedeutend sind:  Betriebe zur Verarbeitung von Agrarprodukten, Eisen- und Stahlherstellung, Kohle- und Gaskraftwerke, Messing- und Bronzegießereien, Schiffbau, Holzverarbeitung, Zement- und Papierherstellung, etc.

Transformation und Fußball

Obwohl manche dieser Betriebe längst ihre Pforten geschlossen haben, sind sie heutzutage weiterhin mehr als lebendig. An dieser Stelle ein Beispiel: 1895 wurde der Fußballclub „Thames Ironworks F.C.“ von Arbeitern der berühmten Werft gegründet und nahm innerhalb von zwei Jahren am FA Cup der London League teil. Fünf Jahre später entwickelte sich der Verein zu „West Ham United“ weiter und gehört heute zu den Größen des englischen Fußballs. Die Werft ist längst Geschichte, doch die „Hammers“ führen noch heute ganz stolz, als Hinweis auf ihre Herkunft, zwei Hämmer in ihrem Wappen. West Hams schärfster Rivale, Millwall, wurde wiederum von Arbeitern einer unweit gelegenen Konservenfabrik gegründet. Deren Name leitet sich von den Millwall Docks in Millwall, auf der Isle of Dogs ab. Sie sehen, London ist untrennbar mit seinen Hafenanlagen verbunden – wenngleich die Nachbarschaft hat nicht geholfen hat. Das Verhältnis zwischen beiden Vereinen gilt schon seit damals als „problematisch“.

Früher Industrie, jetzt Hochfinanz und teure Wohnungen

Wie erwähnt, führten die Entwicklungen der Moderne dazu, dass der Londoner Hafen nicht mehr den Bedürfnissen der Zeit entsprach. Er teilte somit das Schicksal vieler weiterer europäischer Städte in denen Platz, Hafentiefe, verfügbare Lagerfläche sowie weitere Faktoren zu einer Umwandlung oder gar Niedergang des einstigen Hafenbetriebs führten. Mit der Einführung größerer (Container-)Schiffe nahm die Bedeutung der weiter flussaufwärts gelegenen Hafenanlagen ab Mitte der 1960er Jahre zunehmend ab. Die Hafenbecken, weiter oben an der Themse, verloren Frachtvolumen und wurden nach und nach aufgelassen. In diese Zeit fällt auch der Ausbau der Anlagen in Tilbury Ende der 1960er Jahre, der diesen Hafen zu einem Containerhafen machte (dem größten im Vereinigten Königreich Anfang der 1970er Jahre).
Ein Großteil der nicht mehr benötigten Flächen im Herzen der Stadt, die Londoner Docklands, wurden mit begehrten Wohnhäusern bebaut und entwickelten sich zu einem zweiten Londoner Finanzzentrum, bezeichnenderweise in der „Canary Wharf“ (zu deutsch: „Kanarienvogel-Kai“).

Große Pläne für den Containerverkehr

Nach umgeschlagenen Containern rangiert der Londoner Hafen nach Southampton und Felixstowe zurzeit an dritter Stelle im Vereinigten Königreich. Doch der Londoner Hafen möchte sich damit nicht zufrieden geben: Im Jahr 2010 begann auf über 600 Hektar Brachland am nördlichen Themseufer (3,2 km Uferlinie) der Ausbau des Containerterminals „London Gateway“. Lassen Sie sich übrigens nicht täuschen: London Gateway ist etwas unter 50 Kilometer von der Londoner City entfernt und liegt an der Themsemündung. Der Hafen ist somit der Nordsee näher als der Tower Bridge.

2013 eröffnete der erste von insgesamt sechs möglichen Liegeplätzen. Bereits 2014 folgte der zweite und 2017 der vorläufig letzte Liegeplatz. Der 2,7 Kilometer lange Containerkai ermöglicht im Endausbau eine Umschlagkapazität von 3,5 Mio. TEU pro Jahr. Dank seiner Dimensionen und entsprechender Containerkräne können auch die „Giganten der Meere“ – moderne Containerschiffe mit 400 Metern Länge – ohne weiteres abgefertigt werden.
Der Containerhafen weist zudem das längste Railterminal des Landes auf und ist somit an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Dass im Jahr 2021 mit einem Containerumschlag von 1,8 Millionen TEU erneut ein Rekord aufgestellt wurde, verwundert nicht. Wir sind gespannt wie es weitergehen wird.

cargo-partner erweitert seine Präsenz im Vereinigten Königreich

Nach der Einrichtung eines Joint Ventures mit Aztek International Freight Ltd. im Jahr 2021, hat cargo-partner nun die restlichen Anteile erworben und wird das Partnerunternehmen vollständig in seine Konzernstruktur integrieren. Mit diesem Schritt ergänzt cargo-partner seinen bestehenden Standort in Manchester um zwei zusätzliche Büros in East London sowie Bradford und baut damit sein Netzwerk weiter aus. Durch diesen Schritt ist das Team im Vereinigten Königreich in den letzten 15 Monaten von 13 auf 55 Mitarbeiter an insgesamt drei Standorten gewachsen.

Fokus auf Emergency-Lösungen

Neben der Unterstützung von Kunden bei Post-Brexit-Zollverfahren hat der Logistikdienstleister einen Fokus auf Expresslösungen bei besonders zeitkritischen Transporten gelegt. Seit der Eröffnung der Niederlassung hat das cargo-partner-Team zahlreiche Notfall-Luftfrachtsendungen für Kunden aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Gesundheits-, Einzelhandels- und Konsumgüterindustrie erfolgreich abgewickelt.

Strategische Expansion in Westeuropa

Der in Österreich ansässige Logistikdienstleister hat traditionell eine sehr starke Präsenz in Mittel- und Osteuropa, investierte zuletzt jedoch erheblich, um seine Präsenz auch in Westeuropa weiter auszubauen. Neben Niederlassungen in Deutschland und Benelux, wo man seit 20 Jahren vor Ort ist, hat cargo-partner sein Netzwerk kürzlich um Irland, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien erweitert und ist nun in den wichtigsten Märkten der Region vertreten. Die weitere Stärkung der Präsenz im Vereinigten Königreich ist ein wesentliches Puzzleteil in den strategischen Überlegungen des Unternehmens für Westeuropa, im Jahr 2022 und darüber hinaus.

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