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Die Türkei und die transkaspische Seidenstraße

Ein Land am Schnittpunkt der Kulturen und Verkehrswege

Als Bindeglied zwischen Ost- und West kann das Land am Bosporus auf eine bedeutende Rolle zurückblicken. Ob kulturell oder verkehrstechnisch, die Türkei war immer ein wichtiger Knotenpunkt. Neuerdings soll der Ausbau des Schienen- und Frachtverkehrs das Land besser an Asien anschließen – über die transkaspische Route der Seidenstraße. Als Brücke zwischen Europa und Asien hat die Türkei bereits viel Vorarbeit geleistet, etwa durch den Bau des beeindruckenden Marmaray-Eisenbahntunnels.

 

Mit der Lage an der Meerenge am Bosporus, dem Schwarzen Meer, der Nähe zu Osteuropa und dem Kaukasus und dem Nahen Osten im Blickfeld, hat die Türkei geostrategisch eine außerordentliche Bedeutung. Dies erkannten schon fernöstliche Händler, die seit der Antike auf der Seidenstraße ihre Güter transportierten. So führte die älteste Handelsroute der Welt auf ihren legendenumrankten Strecken unter anderem ins damalige Konstantinopel – das heutige Istanbul - und von dort weiter nach Europa. Istanbul selbst gilt mit seinen 15.5 Millionen Einwohnern als fünfzehntgrößte Stadt der Welt, pulsierende Kultur- und Wirtschaftsmetropole und „eigentliches Zentrum“ des Landes.

 

Transkaspischer Seitenarm der Seidenstraße

In bester Tradition werden auch heute noch die „New Silk Road“ als Handelsroute zwischen Asien und Europa gepflegt. So führt die aktuell wichtigste Verbindung von China über Kasachstan und Russland nach Europa. Bisher unterschätzt, aber ebenfalls von Bedeutung, ist die transkaspische Variante, die - Zentralasien und das kaspische Meer querend - von Aserbaidschan über Georgien in die Türkei führt. Ein wichtiger Baustein für den Erfolg ist der Ausbau der Kapazitäten im eurasischen Schienenverkehr. Erste Schritte zur Forcierung des Transports per Schiene zeigen bereits Wirkung: So kam es in den letzten fünf Jahren etwa zu einem Wachstum des Verkehrs von rund 80 Prozent: Im Jahr 2014 fuhren nur rund 300 Züge, 2019 bereits bis zu 7.000. Die Kapazitäten sind bei weitem nicht ausgeschöpft und man träumt bereits von mehr. Immerhin stellt vor allem die Routen über den „mittleren Arm“ der Seidenstraße eine vielversprechende Handelsverbindung für die Türkei dar.

 

Mittlere Seidenstraße als Alternative

Trotz bewegter Nachbarschaft sieht sich die Türkei weiterhin als wichtige Brücke zwischen Asien und Europa - das Potential erkannten nicht nur die Händler in der Antike. Auch die aktuelle Regierung hat die wirtschaftliche Bedeutung und die damit verbundenen Ansprüche an die Infrastruktur erkannt. So werden tatsächlich bitter notwendige Modernisierungen und der schrittweise Ausbau des türkischen Bahnnetzes mit Nachdruck vorangetrieben. Angenehmer Nebeneffekt: in puncto Transportwege würde sich die türkische  Abhängigkeit zu Russland und dem Iran verringern und sich das Land als neue regionale Logistikdrehscheibe positionieren. Denn Fakt ist: derzeit werden mehr als 95 Prozent des bestehenden Schienenverkehrsvolumens zwischen Asien und Europa durch Kasachstan oder weiter nördlich auf der Transsibirischen Eisenbahn in Russland transportiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Strecken sind kürzer, die Infrastruktur besser entwickelt, betriebliche Prozesse gut eingespielt. Zudem sind weniger Landesgrenzen und damit weniger Zollformalitäten zu überwinden.

 

Zentrale Bedeutung hat die „BTK Strecke“

Um diese Schieflage zu korrigieren, wird hierbei der bereits erwähnten Streckenführung Baku (Aserbaidschan) – Tiflis (Georgien) – Kars (Türkei) hohe Bedeutung beigemessen. Geplant ist, bis 2034 bis zu 17 Millionen Tonnen Güter auf der sogenannten mittleren Seidenstraße zu transportieren. Investitionen stehen jedoch dringend an: So muss das regionale Eisenbahnnetzwerk zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden, eine moderne Leit- und Sicherheitstechnik muss her und selbstverständlich klappt das Ganze nicht ohne Logistikzentren und dazugehörigen Terminals. Auch eine leistungsfähige Anbindung an das europäische Schienennetz ist notwendig, denn die Route endet ja nicht unvermittelt vor dem Bosporus.  

Meerengenquerung als Herausforderung?

Die Meerenge am Bosporus, die seit den 1920ern für die internationale Handelsschifffahrt geöffnet ist, ist eine der bedeutendsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Doch während die Durchfahrt auf See in nord-südlicher Richtung erfolgt, muss das geographische Hindernis auch in ost-westlicher Richtung gequert werden. Pläne zu imposanten Brücken wurden bereits seit jeher gewälzt, bis zum ersten richtigen Bauprojekt musste man aber lange warten. Erst 1973 wurde die Erste von mittlerweile drei imposanten Hängebrücken eröffnet. 1988 folgte die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke und 2018  die Yavuz-Sultan-Selim-Brücke. Jede einzelne ein technisches Glanzstück und jeder Entwurf kühner als der andere. Doch zum Zeitpunkt der Eröffnung der dritten Brücke war der Bosporus bereits längst untertunnelt. Jawohl, richtig gelesen. Ein Tunnel.

 

Marmaray-Tunnel mit erstem Güterzug aus China

Zwischenzeitig ist sogar ein weiterer Tunnel für den Autoverkehr hinzugekommen aber den Anfang machte der sogenannte Marmaray-Tunnel, der das eigentliche Kernstück der komplett neugeschaffenen Marmaraystrecke ist. Diese Schienenverbindung ist seit 2013 die erste normalspurige Direktverbindung zwischen beiden Kontinenten. Davor mussten – schwer vorzustellen – Waggons noch per Fähre übersetzt werden.
Die Meerenge wird in einem 1.387 Meter langen Absenktunnel unterquert, der 56 Meter unter dem Meeresspiegel hindurchführt. Elf Tunnelelemente wurden vorgefertigt und am Einbauort in einem zuvor am Meeresgrund errichteten Graben abgesenkt. Nach der Verbindung der Segmente wurde der Graben wieder aufgefüllt. Da die Region stark erdbebengefährdet ist, wurde höchstes Augenmerk auf die Sicherheit gelegt und ein eigenes Betongemisch entwickelt. Die Baukosten des 2004 begonnen Projekts sollen rund 2,5 Milliarden Euro betragen haben, doch wie so häufig bei großen Bauprojekten, wurden auch hier die Baukosten nicht eingehalten. Über genaue Zahlen hält man sich jedoch sehr bedeckt. Doch das Projekt ist eine Erfolgsgeschichte: Wegen der hohen Auslastung  im Nah- und Fernverkehr ist der Betrieb von Güterzügen nur nachts möglich. Der erste Güterzug von Xi’an bis nach Prag durchquerte den insgesamt 13 Kilometer langen Tunnel unter dem Bosporus im vergangenen November 2019. Der Güterzug war auf der transkaspischen Route unterwegs und es werden ihm noch viele weitere folgen, denn geht es nach der türkischen Staatsbahn, wird auf dieser Strecke im Jahr 2025 bereits ein Transportvolumen von fünf Millionen Tonnen erwartet.

 

Von süßen Träumen und Süßem für das Bayramfest

Mittlerweile stehen bereits die nächsten gigantischen Prestigeprojekte in den Startlöchern. Zum einen wurde von der aktuellen Regierung unter großem Getöse der Bau einer neuen Schiffsquerung – einem zweiten Kanal neben dem Bosporus – angekündigt. In vielfacher Hinsicht ein Jahrhundertprojekt. Doch auch ein zusätzlicher Tunnel soll hinzukommen: 6,5 Kilometer lang, 110 Meter unter dem Wasserspiegel soll der „Große Istanbul Tunnel“ auf drei (!) Geschossen beide Kontinente verbinden. Zwei Geschosse sollen dem Straßenverkehr und eines dazwischen mit zwei Gleisen den Schienenverkehr aufnehmen. Inwiefern es sich aufgrund der aktuellen Weltlage momentan um „süße Träume“ handelt, lässt sich derzeit nicht leicht beantworten.
Apropos Süßes. Großes Potential für den Absatz von Süßigkeiten gibt es demnächst rund um die Zeit des Bayramfestes („Şeker Bayramı“), auch Zuckerfest genannt, das heuer zwischen 24. – 26. Mai in der Türkei begangen wird. Es symbolisiert das Ende des Fastenmonats Ramadan und ist eines der wichtigsten Feste des Islams. Gläubige bitten Allah darum, die Mühen des Ramadans anzuerkennen und Fehler zu verzeihen. Die Meisterung der Entbehrung wird zelebriert mit Süßigkeiten für die Kleinen, aber auch reichlich Baklava und Halwa für den Rest der Familie. Gut möglich, dass die ein oder andere Leckerei über die transkaspische Route in das Land am Bosporus gelangte. Bayram mübarek olsun!

Über cargo-partner in der Türkei

cargo-partner ist seit 2018 in der Türkei vertreten und betreibt derzeit 7 Büros mit 64 Mitarbeitern in Istanbul, Bursa, Izmir, Gaziantep und Mersin. Unsere erfahrenen Teams bieten ein umfassendes Angebot an Luft-, See- und Landtransportlösungen, einschließlich landesweiter Door-to-door Lieferungen. 

In der Seefracht bieten wir direkte Verbindungen zu und von allen wichtigen Häfen in Europa, dem Mittelmeerraum, Nordafrika und dem Arabischen Golf an und nutzen die Türkei als eine der wichtigsten Tore in die GUS-Länder. In der Luftfracht sind wir Mitglied der IATA und operieren von allen wichtigen internationalen Flughäfen des Landes aus. Wir bieten Konsolidierungsdienste, Voll- und Teilcharter, Express- und Bordkurierlösungen sowie Transport hängender Textilware und den Umgang mit gefährlichen Gütern an. Straßentransport bieten wir über unsere Büros in Mersin, Izmir und Instanbul an, wo auch zeitgleich unser Sammelgutverkehr-Hub liegt. Unsere Dienstleistungen umfassen die Abholung und Verteilung im ganzen Land sowie LTL, FTL, temperaturgesteuerte Transporte, übergroße Sendungen sowie multimodale Lösungen.

Im Jahr 2019 wickelte cargo-partner in der Türkei über 1.350 Tonnen in der Luftfracht und über 22.000 TEU in der Seefracht ab und wächst beständig im Straßentransport und beim Linienbetrieb nach CEE.